Waschtag und Erholung in Bourg-Saint-Andéol

Dienstag, 27. September, Bourg-Saint-Andéol. Gestern Abend nach gut 50 Kilometern Fahrt von Saint-Lager-Bressac hier angekommen und einen Tag Rad-Pause eingelegt, zum Wäsche Waschen (inzwischen nur noch ein 40-Grad-Waschgang mit Vollwaschmittel für alles, inklusive der Patagonia-Merino-Sachen; wie Kapitän Küster sagte: auch Schlauchboote sind Verbrauchsgüter), Spielen – der Campingplatz hat neben dem schon geschlossenen Pool einen  ordentlichen Spielplatz nebst Trampolin – und Vorräte auffüllen (wir tauschen überschüssiges Spülmittel, das es nur in 500-ml-Gebinden zu kaufen gibt, wir aber in eine 125-ml-Nalgene-Flasche füllen, gegen fehlenden Zucker in die 60-ml-Nalgene-Flasche).

Morgen wollen wir um zehn los und am Abend in Avignon ankommen. Ihr könnt hier wetten,  ob wir das schaffen (um zehn abzufahren …).

Charmes-sur-Rhône

Samstag, 24. September. Günstiges Stück Wiese mit Dusche in Charmes-sur-Rhône: acht Euro fünfundfünfzig die Nacht. Und das heute Nacht wieder bei so trockener Luft, dass für morgen früh kein Tau und Kondenswasser im Zelt zu erwarten ist und somit das Aufstehen und Packen leichter fällt. Wenn wir dann wieder um halb elf abfahren, sind wir am frühen Nachmittag in Montélimar und voraussichtlich am Montagabend in Avignon.

Valence

Samstag, 24. September. Pünktlich zum Mittagessen in Valence angekommen und am Ortseingang ins Steakhaus, weil Terrasse mit Spielplatz. Und nach dem Gang zur Toilette kann S. die Tür nicht mehr von innen öffnen, zwei Kellner von außen aber leider auch nicht, weil die Notöffnung nicht funktioniert (gelobt seien TÜV und deutsche Standards). Am Ende hilft das von uns mitgeführte Leatherman Tool. Jetzt weiter Richtung Avignon, wenigstens noch 30 Kilometer heute entlang der Rhône.

Tain-l’Hermitage

Freitagabend, 23. September. Camping municipal von Tain-l’Hermitage. Die deutschen „Nachbarn“ erklären uns, dass es sich für einen französischen Ort aus Tradition gehöre, einen Campingplatz zu haben – und sie finden es ehrenrührig, dass die Gemeinde einen Teil des hiesigen vor Jahren in einen Parkplatz fürs öffentliche Schwimmbad verwandelt hat. Unsere Tochter S. versorgen sie mit Süßigkeiten und ganz besonders guten Milchreis (angeblich der beste, den es in französischen Supermärkten fertig zu kaufen gibt), und auch für R. fällt eine Crème Brûlée ab (dito). Wir sind offenbar das Gesprächsthema auf dem Campingplatz und am Morgen stehen die Leute fast Schlange, um uns Café oder Gespräche anzubieten.

Der Markt hier am Samstagmorgen ist auch schön, aber leider kriegt man in der französischen Provinz hier gegen elf kein Petit Déjeuner mehr, sondern eher schon Mittagessen. Also raus aus dem Ort und einfaches Frühstück am Rhône-Ufer (immerhin sind wir schon kurz nach elf auf der Via Rhona).

Einen Besuch in der Schokoladenfabrik von ValRhona haben wir leider verpasst. Laut Nachbarn auch „die beste“ weltweit; angeblich kochen alle Sterne-Köche damit, die etwas auf sich halten. Kennt die jemand?

Ach ja, der Wein von hier: 150 Euro soll die Flasche aus der besten Lage kosten. Chapoutier. Für das Geld nehme ich aber lieber zwei   Stirnlampen (Petzl Reactik) oder einen besseren Multifuel-Kocher (der 20 Jahre alte MSR Whisperlite läuft aber einwandfrei, seit heute mit „Essence C aus der örtlichen Drogerie für 5,55 Euro der Liter).

Zügig nach Dijon

Weniger der leichte Regen unterwegs als mehr die trübe Aussicht auf drei nasse Zelt-Übernachtungsplätze ohne wärmende Morgensonne haben uns bewogen, per SNCF-Regionalzug dem nächsten Hochdruckgebiet entgegenzufahren. Nach ein paar Kilometern am Kanal mit Wetter, das sich leider nicht zwischen leichter Windjacke und Regen-Kombi entscheiden konnte, sind wir heute Mittag ein paar Kilometer westlich von Mulhouse zur  Bahn nach Belfort. Den Zug kurz nach eins haben wir dummerweise nur vom falschen Bahnsteig (A vs. B) abfahren sehen, so dass wir noch mal gut zwei Stunden warten mussten und einander dabei auf der Suche nach einem offenen Ruheplatz (vulgo: Restaurant) fast verloren hätten (merke: trenne Dich nie ohne Walkie-Talkie vom Reisepartner, weil Telefon-Roaming auch 2016 in der EU noch eine technische Herausforderung zu sein scheint). Von Belfort dann weiter über Besançon bis Dijon, in einem Zug, bei dessen Klapper-Türen, Klo wie früher (alles fällt durch aufs Gleis) und engem Zugang zum Fahrradabteil man sich die DB zurückwünscht. (Und als Berliner dachte ich irgendwie, Aufzüge an Bahnsteigen seien längst EU-Vorschrift …)

Jetzt also: Dijon, bis die Sonne scheint. Und gegen den Kälteeinbruch scharfer Senf. Oder was gibt es hier noch?